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Die Prioritäten der Sozialdemokraten in Luxemburg: ein Interview mit Alex Bodry

Migration, Wohnungsmarkt, Brexit: Alex Bodry äußert seine Meinung zu drei aktuellen Themen


Victor


Der luxemburgische Abgeordnete Alex Bodry antwortet auf die Fragen von #ProgressiveEurope. Er erwähnt die Stellung der Sozialdemokraten zum Thema Migration und zur Wohnungskrise in Luxemburg, und äußert seinen Standpunkt zum Brexit.


Viele Europäer fürchten sich vor den großen Strömen Geflüchteter, da sie glauben, dass ihre Heimatländer so viele Ausländer nicht handhaben könnten. In Luxemburg wird jedoch etwa jeder zweite Einwohner im Ausland geboren. Wie integriert das Land diese Menschen, um als Gesellschaft zu funktionieren?

Tatsächlich besteht unsere Bevölkerung, die dank unseres soliden wirtschaftlichen Wachstums stetig wächst, derzeit zu 53% aus Luxemburgern. Unsere Tradition der Einwanderung begann schon Anfang des 20. Jahrhunderts, als sich die nationale Stahlindustrie entwickelte. Integration passiert vorwiegend innerhalb unseres Schulsystems und unserer weit verbreiteten Zivilgesellschaft. Auch in der zweiten Generation ist Integration erfolgreich, und wird unterstützt durch das Schaffen von Arbeitsplätzen und durch die Zuwanderung von Leuten aus kulturell katholischen Ländern wie Italien und Portugal.

Da die luxemburgische Bevölkerung stetig wächst, scheint Wohnungsmangel ein Problem zu werden: Ähnlich wie in vielen anderen dicht besiedelten Gegenden in Europa sind zu wenig Wohnungen verfügbar. Wie planen die Sozialdemokraten mit diesem Problem umzugehen?

Neben der Frage der Mobilität ist die Wohnungsmarktsituation in Luxemburg ein wichtiges politisches Thema. Wie auch in anderen Ballungsräumen steigen in Luxemburg die Preise für Bauland, Wohnungen und Häuser rapide an, aktuell um 6% pro Jahr. Wir Sozialdemokraten wünschen uns stärkere Interventionen des Staates und der Kommunen bezüglich der Mobilisierung von Bauchfläche für die Errichtung von Sozialwohnungen. Wir sind zudem für legale Mietpreisbremsen und eine Besteuerung von Baufeldern, wenn diese nicht innerhalb einer bestimmten Zeit fertiggestellt werden.

Bezüglich eines anderen wichtigen Themas, des Brexits: Luxemburg ist dem Vereinigten Königreich eng verbunden. Glauben Sie, der Brexit wird Ihrem Land schaden?

Luxemburg war und ist nicht für den Brexit: er ist weder im Interesse Großbritanniens, noch im Interesse des Rests von Europa. Zugleich könnte Luxemburg als finanzielles Zentrum allerdings davon profitieren, wenn durch Standortverlagerungen Aktivitäten von London in andere Finanzzentren der EU verlagert werden. In Bereichen, in denen Luxemburg hochgradig spezialisiert ist, kann dies neue Arbeitsplätze schaffen. Auf kurze Sicht sehen wir hier keine großen negativen Auswirkungen.


Alex Bodry ist Mitglied des luxemburgischen Parlaments und Vorsitzender der sozialistischen Fraktion.